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Wenn 40 Mitarbeiter nach Arusha fahren...

Autor: JaninaEhses | Datum: 28 Oktober 2012, 11:34 | Kommentare deaktiviert

… wird es ganz sicher eine lustige, lebhafte, gemeinschaftliche, stimmungsvolle Reise.

Die Reise begann damit, dass ich mich um 5 Uhr aus dem Bett quälte um den Bus um 6 Uhr nicht zu verpassen. Aber wie das dann hier manchmal so ist, klappte es nicht so wie geplant und so sahen wir zu dass wir irgendwie alle anders den Berg von Lutindi herunter kamen. Die meisten gingen herunter und manche quetschten sich glaube ich mit 20 Leuten oder mehr in ein Auto. Ihre Stapelfähigkeit ist wirklich beeindruckend! Als wir dann zwei/drei Stunden später in den Bussen saßen wurde laut ‚Bongo Flavour‘, eine sehr beliebte Musikrichtung und Mischung aus Rap, Dancehall, Rnb auf Kiswahili, gehört. Alle lachten viel und unterhielten sich ausgelassen. Ich konnte natürlich nur bedingt mitreden vor allen Dingen wenn sie irgendwann ins Kisamba, ihre Stammessprache, wechselten.

Nach vier Stunden Fahrt machten wir dann das erste Mal Rast an einem wunderschönen Plätzchen. Ich genoss es richtig meine Mandazi und Bananen auf einer wackeligen Hängebrücke über einem flussähnlichen Gewässer zu essen. Ich traute mich nur nicht so ganz diese auch komplett zu überqueren, worüber sich die Anderen herzlich amüsierten. Nach weiteren drei/vier Stunden Fahrt in einem immer wärmer werdenden und engen Bus, ich kann euch sagen hier zahlt sich mein Kleinsein aus, kamen wir endlich an unserem Ziel an:  das Usa River Rehabilitation Center Tanzania.

Die soziale Einrichtung mit dem Leitspruch ‚ We believe in your ability‘ (Wir glauben an dein Können), ist Lutindi ziemlich ähnlich, nur noch ein bisschen größer und hilft Menschen die auf Grund von körperlichen Behinderungen oder anderen Unannehmlichkeiten nicht selbstständig leben, wieder ins Leben zu finden und unabhängig zu werden. Sie haben auch eine Holzwerkstatt, eine Schneiderei, einen Garten, einen kleinen Bauernhof, jedoch noch dazu eine Schmuckwerkstatt, in der aus Ton Ohrringe hergestellt werden und eine Protesenwerkstatt für Menschen mit Amputationen, wo aber auch orthopädische Schuhe hergestellt werden. Zudem organisieren sie OP’s, haben so etwas wie eine Physiotherapie und fahren raus in die Dörfer. Die Schüler lernen, arbeiten und leben zusammen.

Nach der Rundführung und kalten Eimerdusche bezog ich mit Flora und Maria ein kleines Zimmer.  Nun kam ich endlich mal dazu mich umzuziehen, denn meine praktische Reisekleidung stach sehr  neben den tansanischen Sonntagskostümen hervor. Ich wunderte mich schon am Morgen dass alle so wunderschön aussahen, ließ mich dann von Flora und ihren vielen Kangas (Tücher) ein wenig schmücken. Meine Verwunderung und Versuche nicht mehr so ganz aus der Reihe zu tanzen erfreute die Anderen und trug zu einigen Lachern bei. Der Tag endete dann ziemlich schnell, nach der Abendandacht guckten wir nur noch einen tansanischen Film mit englischen Untertiteln. Obwohl die Sprache diesmal keine große Barriere war konnte ich mich trotzdem nicht so amüsieren wie die Mitarbeiter, ich verstand einfach die Witze nicht.

Am nächsten Morgen wurde ich dann so gegen 5 von den anderen Frauen des Nebenzimmers geweckt, die bevor es richtig hell wurde schon geduscht haben wollten. Außerdem schallte laut Gebetsgesang aus Lautsprechern der nicht weitentfernten Moschee. Bis zum Frühstück, welches es erst zwei Stunden später gab (so viel Zeit hatte ich noch nie am Morgen), vergnügte ich mich noch mit meinen beiden fröhlichen Zimmergenossinnen. Mit Heißhunger freute ich mich auf die erste Mahlzeit am Tag und traf auf Speisen, die ich vorher noch nie gesehen hatte. Es gab Weißbrot, Leber und wie sich später rausstellte Kartoffeln, die etwas süßlich schmecken und violett gefärbt sind, auch Magimbi genannt. Diese sahen aber eher aus wie Fleisch bzw. Innereien oder warme Eiscreme. Für mich war es zunächst ein wenig ungewöhnlich so etwas am Morgen zu mir zu nehmen, jedoch genoss ich es aber dann. Wie haben wir immer im Sprachkurs gesagt: nicht meckern, staunen! Und das tat ich auch.

Nachdem wir noch an der Morgenandacht teilgenommen hatten ging es dann für uns auch weiter in Richtung Nationalpark. Wenn ich mich richtig erinnere heißt er ‚Momella‘ und ist im Gegensatz zu den anderen hier nur ein sehr sehr kleiner Park, aber immerhin. Ich freute mich riesig auf die Landschaft und die dort lebenden Tiere. Aber auch für die anderen Mitarbeiter war es einer der Höhepunkte. Sie erfreuten sich besonders an den großen Gorilla-ähnlichen Affen, die in großen Gruppen die Wege einnahmen. Ich fand die Giraffen am schönsten und die kleinen Seen.

Amüsant für alle waren allerdings die richtig typischen weißen Touristen. Hawai-Hemd, Strohhut, Sonnenbrille und fette Kameras guckten oben aus den Safariautos. Komisches Gefühl eigentlich eine von ihnen zu sein, eben ein Mzungu, jedoch sich schon ein wenig mit Kleidung und Verhalten angepasst zu haben.

Gegen Mittag kehrten wir dann noch in Moshi zum Mittagessen ein. Es war so unglaublich heiß, voll und chaotisch dort. Ich kann nur danke dafür sagen, dass ich in den Bergen leben darf.

Die Rückfahrt verbrachten die Mamas und ich dann damit meine Rastas zu öffnen, denn für den anstehenden Chorwettbewerb sollten alle Frauen offene Haare tragen. Währenddessen unterhielten sich alle laut, es wurde sehr viel gescherzt und gesungen. Ich fühlte mich rund um wohl und genoss es in so einer tollen Gemeinschaft schon ein wenig integriert zu sein.

Glücklich, erschöpft und mit vielen Eindrücken fiel ich spät abends in mein Bett.

 

 

Der Michaelis-Tag

Autor: JaninaEhses | Datum: 28 Oktober 2012, 11:31 | Kommentare deaktiviert

An dem letzten Wochenende im September war sonntags der Tag der Kinder. Aus diesem Grund gab es ein riesen Fest. Es begann schon am Samstag damit, dass viele Spiele gespielt wurden. Völkerball, Kettenfangen, Fußball. Alles was das Kinderherz begehrt. Außerdem machte Steffen, der Sohn von Blauths, ein tolles Warm-up. Singspiele und Bewegung durften zu so einem Anlass natürlich nicht fehlen. Er fing z.B. immer damit an ‚ooookay‘ zu schreien und die Kinder antworteten mit ‚yeeeah‘. Wenn sie ihn jetzt immer sehen warten sie nur darauf, dass er es wieder ruft. Voller Enthusiasmus und mit viel Aktion waren die Kinder dabei. Ein besonderes Highlight trotz vieler anderer Attraktionen schienen Nicolas und ich zu sein. Es wurden ‚heimlich‘ Fotos gemacht, die Kinder setzten sich schüchtern neben uns und starrten die ‚Wazungu‘ (Weißen) mit großen Augen an.

Am Sonntag wurde dann der Gottesdienst größtenteils von Kindern gestaltet.  So sangen die Kinderchöre mit Trommeln und viel Bewegung. Zudem gab es biblische Anspiele, die der Gemeinde viel Freude bereiteten. Nach dem Gottesdienst wurde zusammen gespeist. Wo man nur hin sah: Kinder, Kinder, Kinder. Es folgte ein kleiner Chorwettbewerb zwischen den vielen Kinderchören und zum Abschluss guckten alle als Höhepunkt den Film ‚Ice Age‘. Die Kinder waren glücklich und ich war es auch. Was für ein erfüllendes Wochenende, wenn man so viele Kindergesichter strahlen sieht!

Michaelistag

 

Nie wieder Stromausfall!

Autor: JaninaEhses | Datum: 15 Oktober 2012, 17:46 | Kommentare deaktiviert

Ende September war es endlich soweit, Lutindi bekam den langgeplanten und ersehnten Solarstrom.

Dafür reiste aus Deutschland eine Gruppe von 19 Engagierten, Handwerkern, Technikern und Ingenieuren an. Deutschlandfeeling pur! Wir begrüßten sie mit lautem Getrommel, Gesang und Tanz. Es gab wirklich ein Grund zur Freude, denn bis das Material für die Photovoltaik-Anlage mal den Weg übers Meer, von Dar es Salaam nach Bagamoyo und von Bagamoyo nach Lutindi geschafft hatte, war eine halbe Ewigkeit vergangen und es war kaum zu glauben, dass die Freiwilligen jetzt mit ihrer Arbeit beginnen konnten. Wie nötig Lutindi die PV-Anlage hatte, zeigte sich direkt am nächsten Tag, als der öffentliche Strom mal wieder ausfiel und ziemlich viel hier still gelegt war. Sogar die Notstromversorgung über den Dieselgenerator streikte. Die Gruppe kam jedoch schnell voran, so waren am ersten Abend direkt im Betriebsraum die Akkus und die Regelungselektronik installiert und auf dem Dach des Krankenhauses 15 Paneele montiert. Die Batterien konnten zum ersten Mal aufgeladen werden. Bevor sie mit ihrer Arbeit fortfuhren machten wir am Sonntag alle zusammen eine kleine Wanderung zu dem Aussichtspunkt von Lutindi und gingen durch einen kleinen Pfad nach Masange, einem Nebendorf. Vollster Naturgenuss, seht selbst:

Aussichtspunkt Lutindis - Masusu

Dschungelpfad

Zwei Tage später waren dann auch die anderen 90 Paneelen angebracht, alle restlichen Leitungen verlegt, alte Installationen des Krankenhauses waren zudem noch saniert worden und die Regelungselektronik war fertig programmiert. Dass so etwas in so kurzer Zeit möglich ist, hätte ich nicht gedacht. Wir können einfach nur dankbar für die vielen Bemühungen, die reichen Spenden, den Fleiß, das breite Wissen und die Freude an der Arbeit sein. Ich kann mich jetzt täglich über eine warme Dusche freuen! Asante sana (:

 

Hakuna Matata!

Autor: JaninaEhses | Datum: 14 Oktober 2012, 16:38 | Kommentare deaktiviert

Die nächsten Wochen verbrachte ich dann die meiste Zeit in der Sisalwerkstatt. Flora, eine nette Mitarbeiterin, zeigte mir, wie man solch eine Fußmatte webt. Ich überlegte mir nicht wie viele Andere das Wort ‚Karibu‘ zu schreiben, sondern lieber den Spruch ‚Hakuna Matata‘, sprich: ‚es gibt keine Sorgen‘. Diesen Spruch machte ich mir in der Anfangszeit zu meinem, irgendwie lief alles. Damit hatte ich mir jedoch etwas nicht sehr leichtes ausgesucht und beanspruchte deshalb viel ihre Hilfe. Zunächst stellten wir dünne Eisenstangen auf um die Sisalbänder abwechselnd darum zu wickeln. Von links nach rechts, von rechts nach links. Bei den Buchstaben musste ich dann schon ziemlich nachdenken, um sie in der richtigen Größe, Breite und im richtigen Verhältnis zur Hintergrundfarbe zu weben. Außerdem machten zwischendurch meine Arme schlapp. Nachdem ich damit fertig war gingen wir zum Pressgerät. Hier kurbelten wir so lange bis die Matte kompakt und fest zusammen war. Danach zogen wir die einzelnen Eisenstangen heraus, wozu man wirklich viel Kraft braucht und fedelten stattdessen ein Sisalband ein. In den nächsten Tagen wurden dann die Sisalbänder welche noch herausstanden eingefedelt, die feinen Härchen die hervorstanden feinsäuberlich mit der Schere auf eine Länge gebracht und letztlich weggebürstet.

Als sie nach einigen Tagen endlich fertig gestellt war, war ich wirklich stolz, denn es sieht alles leichter aus als getan. Mit der Zeit bekommt man jedoch Übung, Flora stellt solch eine Matte an einem Tag her. Die nächsten Tage versuchte ich mich dann immer mehr an anderen Matten und sogar auch mal an einem Hocker. Die Patienten halfen mir und ich ihnen, so ergänzte es sich ganz gut. Ich kann euch sagen, es wird! (:

 

Safi sana, Mama Huli!

Autor: JaninaEhses | Datum: 13 Oktober 2012, 16:16 | Kommentare deaktiviert

Bevor ich aber an diesem Tag in der Sisalwerkstatt meinen ersten richtigen Arbeitstag haben sollte, erlebte ich ein besonderes Fest mit. Mama Huli, eine Langzeitpatientin feierte ihren 100 Geburtstag.

Um ihr das Fest so schön wie möglich zu gestalten trafen wir gegen Mittag erste Vorbereitungen. Ein paar Mitarbeiter und ich pflückten Blumen um den großen Raum zu schmücken. Tische und Stühle wurden mit Hilfe von Patienten verschoben. Eine Leinwand wurde aufgestellt und der Beamer wurde aufgebaut. Dann versammelten sich alle in der Einfahrt um mit dem Trommelmarsch zu beginnen. Es wurde gesungen und getanzt. Als alle Patienten, Ärzte und anderen Mitarbeiter im Innenhof des Krankenhauses versammelt waren sang zunächst ein kleiner Chor das Lied ‚safi sana‘, was so viel heißt wie ‚sauber‘ oder ‚super gemacht‘. Dieses Lied war ein richtiger Ohrwurm und wurde noch Wochen später im Krankenhaus gesungen. Danach hielten ein Arzt und Werner eine kurze Rede und dann hatte ich die große Ehre mich vor allen mit meinem gebrochenen Kiswahili vorzustellen.

Es folgten lustige Spiele, wie die Reise nach Jerusalem oder den Luftballon des Anderen kaputt treten, der am Fuß befestigt war. Zur Feier des Tages bekam Mama Huli natürlich auch einen Kuchen, den sie zart anschnitt. Unter lautem Jubeln genoss sie ein kleines Stück. Schließlich wurde noch ein Film gezeigt ‚Lutindi vor 30 Jahren‘, auf dem sie zusehen war. Der Film bereitete natürlich den Mitarbeitern auch große Freude. Nachdem nochmal gesungen, gebetet und gedankt wurde löste sich das Fest auf.

 

Ich war froh, dass ich das direkt zu Anfang miterleben durfte, denn Feste feiern können sie hier, das steht fest!

 

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