VEM-Freiwillige   2017/2018   2016   2015   2014   2013   2012   2011   2010   2009 

Alena | Anne | Annika | Augustin | Freddy | Janina | Lars | Lena K | Lena S | Luise | Maike | Manuel | Maren | Mona | Nele | Sebastian | Viola | Wiebke | Yasha

Menu:

Archiv

Blog durchsuchen:

Mir geht’s guuut!

Autor: JaninaEhses | Datum: 28 Januar 2013, 20:46 | Kommentare deaktiviert

So damit ihr mal wieder up to date seid, bei mir ist momentan alles bestens!

Der Januar verging mal wieder wie im Flug. Schon allein aus dem Grund, weil ich das erste Mal komplett in den Hospitals-Arbeitsplan eingetragen wurde und somit eine Woche lang von 7 Uhr morgens bis 18 Uhr abends nur auf den Beinen war. Zeit für Chor und Kindergottesdienstvorbereitungen blieb da nur wenig. Eine ganze Woche heißt natürlich auch samstags und sonntags zu arbeiten. Diese Woche hat mir definitiv gezeigt wie hart das Arbeitsleben sein kann, in dieser Zeit war mein Bett mein bester Freund, so viel kann ich sagen! Natürlich hat man besonders am Wochenende viel Kontakt zu den Patienten. Ich glaube die skurrilen bzw. lustigen Begegnungen hören dort nie auf. So wurde ich direkt am Samstagmorgen so begrüßt: ‚heeello sister, I‘m medho and i’m not married and what’s your name?‘ Außerdem habe ich an diesem Wochenende glaube ich schon meinen zehnten Namen verpasst bekommen. Durch den Rundbrief müsste ja eigentlich schon der Name ‚Samina‘ bekannt sein. Aber dabei blieb es leider nicht: Jemima, Jelina, Penina, Jabima, Yehima sind nur noch Reste aus meinem Gedächtnis. Ich bin ja mal gespannt was ich in dem gesamten Jahr so alles sammel! ;)

Mein persönliches Highlight war aber in diesem Monat ganz klar mein Geburtstag. Erst einmal einen großen Dank für die vielen lieben Glückwünsche, ich habe mich wirklich sehr gefreut, dass so viele Leute an mich gedacht haben. Dieser Geburtstag war echt ein Besonderer, nicht nur wegen der zweiten 0 sondern viel mehr, weil ich so viele liebe Menschen um mich herum hatte, die mir meinen Tag rund um schön gestalteten. Zudem hatte ich so gutes Wetter wie noch nie. 30 Grad und abends Grillen – kein Vergleich zu den sonstigen Temperaturen um diese Zeit.

Ich hatte natürlich auch Glück, dass gestern ein Sonntag war, somit konnte ich mit Blauths ausgiebig frühstücken und die Morgensonne auf der Terrasse genießen. Netterweise hatten sie für mich sogar Chapati (Pfannkuchen ähnlich) gebacken, denn die mag ich hier besonders gerne. Danach ging ich wie jeden Sonntag in die Kirche und genoss die neuen Lieder des Chores zu hören. Ich war überrascht wie Viele mir nach der Kirche gratulierten. Hier wird normalerweise kein Geburtstag gefeiert, Manche wissen sogar gar nicht wann sie Geburtstag haben, insofern war es sehr besonders und ich freute mich sehr. Am Nachmittag gab es dann ein kleines Kaffeetrinken. Barbara hatte mir extra einen Kuchen gebacken – einen afrikanischen Zebrakuchen.

Barbaras Zebrakuchen

Danach fingen wir langsam mit den Vorbereitungen für das Barbecue an. Dafür stapfte ich mit Steffen runter in den Hospitalsgarten und erntete Auberginen und Mais zum Grillen. Es wurde Stockbrotteig angefertigt und frische Ananas und Mangos aufgeschnitten. Flora half Barbara und mir eifrig und mit bester Laune, was mich richtig froh stimmte. Da gleichzeitig auch die neue Bambushütte, welche Steffen mit viel Engagement und Freude fertig gestellt hatte, eingeweiht werden sollte, schmückten wir diese noch mit Blumen und bereiteten schon mal die Feuerstellen vor.

So nach und nach kamen dann alle, die ich eingeladen hatte. Manche sogar früher um noch irgendwie mithelfen zu können. Wir speisten zusammen, ich glaube ganz besonders lecker fanden alle das Stockbrot, welches später in Hot Dogs umgewandelt wurde.

Stockbrot - mal was Anderes

Zudem sangen wir viel z.B. meine Lieblingslieder aus dem Chor und alle wiederholten voller Begeisterung das Lied Happy Birthday. Ob schnell oder langsam oder in Kiswahili oder Englisch, immer wieder wurde es freudig angestimmt. Süß war das! Dazu wurde Gitarre gespielt und auch getrommelt. Obwohl ich allen auf die Frage‚was wünschst Du dir? Was möchtest du für ein Geschenk?‘ antwortete, dass es schon genug Geschenk wäre, dass so viele kommen, bekam ich viel geschenkt. Ich freute mich über herrlich duftende Blumen, über neue Kangas, handbemaltes Geschirr, zwei riesen Wassermelonen und drei Ananas, eine Schale mit Randschnitzerei als Verzierung, eine selbstgeflochtene Zuckerdose und ein kleiner Behälter aus Kokusnuss. Ich konnte meine rührende Freude gar nicht in Worte fassen und hoffe, dass alle mein Strahlen sahen, denn das sind Erinnerungen fürs Leben. Natürlich wurde auch viel rumgewitzelt. So wurde ich die ganze Zeit mit ‚Shikamoo‘ begrüßt, das ist der Respektausruf für alte Leute. Und auch öfter ‚Mama‘ genannt (übersetzt Frau und Mama) und nicht wie sonst immer ‚Dada‘ (Schwester). Zum Schluss spielten wir noch Armdrücken, es war super lustig und spannend, denn hier haben die Frauen auch eine Chance mit ihren Armmuskeln. Ich war allerdings der absolute Looser. Im Gebet wurden letztlich nochmal super liebe Worte für mich und meine zukünftige Zeit hier gefunden. Ich habe diesen Tag so unheimlich genossen und werde diese Feier nie vergessen!

mein Geburtstag - Prost und auf die 20

 

 

Zunguka, zunguka – und die Party steigt

Autor: JaninaEhses | Datum: 28 Januar 2013, 19:12 | Kommentare deaktiviert

 

Etwas sehr verspätet aber dennoch sehr erzählenswert: Um die Weihnachtszeit war ganz Lutindi in fröhlicher Feierlaune. Man war fast schon im Feierstress, denn teilweise überschnitten sich die Feste und auch Gottesdienste, besonders die der Hochzeiten. Und da man eigentlich immer überall eingeladen ist, weil hier jeder jeden kennt und ich als Weiße sowieso ein gerngesehener Gast bin kamen wir alle gar nicht mehr aus dem feiern heraus. Ich hätte fast in meiner Festkleidung, den Vitenge, schlafen können. Da die Hochzeiten so für mich am spannendsten waren möchte ich nun davon ein wenig berichten:

Eine Hochzeit beginnt hier normalerweise mit der Send-off Feier. Wenn ich das richtig verstanden habe wird damit der Abschied der zukünftigen Braut aus ihrem Elternhaus zelebriert, denn bis zur Einwilligung der Heirat wohnt sie traditionell bei ihren Eltern und wird dann dem zukünftigen Ehemann freigegeben. Was mir auffiel war, dass die gesamte Feier in größter Ordnung ablief. Es gab einen Moderator der den gesamten Ablauf bestimmte. Er führte alle Bräuche durch, war für Witze und Besonderheiten zuständig und dirigierte die ganze Hochzeitsfamilie. Nach einiger Zeit war es echt anstrengend seinem Gebrülle durch die nur halbfunktionierende Soundanlage zu folgen. Dazu kam noch eine kleine Gruppe die feierlich und laut mit Blasinstrumenten gute Stimmung einheizte. Und natürlich waren auch viele Chöre anwesend die die Feier gesanglich mitgestalteten. Was mich sehr erstaunte war, dass alles in einer einheitlichen Farbe geschmückt war und sich dementsprechend viele Gäste und Familienangehörigen ihre Kleidung schneidern ließen. So durfte ich eine pinke, blaue und violette Send-off-Party miterleben. Dekoration, Menschen, Torte – alles in einer Farbe. Leider verstand ich nicht so viel aber es war deutlich zu sehen, dass der Tochter viele Ratschläge erteilt wurden und speziell den Eltern nochmal ein großer Dank ausgesprochen wurde. Sehr traditionsbewusst und in strengen Abläufen lief dies ab, so musste zum Beispiel die zukünftige Braut auf Knien und mit gekreuzten Armen ihre Eltern mit Kuchen füttern. Zudem wurde natürlich viel getanzt, viel gejubelt und viel gelacht. Besonders die Geschenke Überreichung wurde mit viel Spaß und Tanz gestaltet. Hier wurde ganz besonders das Lied ‚zunguka‘ rauf und runter gespielt, es heißt so viel wie sich drehen und ist Bongo Flavour. Aber auch Westlife schallte aus den Boxen. Alle freuten sich so sehr, außer der zukünftigen Braut. Kein Gesichtsmuskel zuckte auch nur ansatzweise. Ich wunderte mich, denn alle Anderen war so fröhlich und ich dachte beim ersten Mal die Frau würde gezwungen werden zu heiraten, bis ich aber später erklärt bekam, dass es traditionell so ist, dass man sich nicht unbedingt freuen soll wenn man von seinen Eltern weggeht. Somit blickte ich nur in eine ernste fast schon traurige Miene, welche einfach nur den Bräuchen folgt. Die Krönung jedes Festes ist natürlich das gute Essen. Eigentlich gibt es zu jeder großen Festlichkeit das Nationalgericht ‚Pilau‘. Pilau besteht aus Reis mit Fleisch und Kartoffeln und ganz speziellen Gewürzen die dieses Gericht zu etwas ganz besonderem machen und mich außerdem am weiteren beschreiben hindern. Ihr müsst es einfach irgendwann mal probieren! Und natürlich darf auch bei solch einem Fest nicht die ‚Soda‘ fehlen, sprich Cola, Fanta, Sprite. Nach der Send-Off-Party geht es dann meistens zu dem Ort des zukünftigen Bräutigams, in seiner Heimat findet dann die kirchliche Trauung und das Fest danach statt. Wenn der große Familienbus angekommen ist wird meist noch bis spät in die Nacht gefeiert. Man könnte fast meinen an diesen Tagen explodieren die Musikanlagen und mit schlafen wird’s auch nicht richtig was.

Send-off

Braut, welche von Zuhause verabschiedet wird

Zur kirchlichen Trauung ist zu sagen, dass ich diese sehr ähnlich zu denen in meinem Umfeld in Deutschland erlebt habe. Die Kirche war wunderschön mit Blumen geschmückt, die Braut trug ein besonders aufwendig geschneidertes Kleid, es wurde sich das ja-Wort gegeben und Treue geschworen und sich gegenseitig der Ring angesteckt.

Am eindrucksvollsten war jedoch die Feier am Abend. Für eine Feier half ich auch vorher mit kochen und ich muss sagen, obwohl ich jetzt schon recht viel mit den Tansaniern gekocht habe stoße ich immer wieder an meine Grenzen: Wie schneidet man eine Tomate ohne Unterlage, einfach nur in der Hand in kleine Stückchen? Wie bekomme ich 1 kg Ugali umgerührt? Wie schält man die harten Kochbananen? Zwischendurch rannte ich immer wieder aus der Küche, weil der Rauch einfach so enorm in den Augen brannte. Ich war natürlich nicht so eine große Hilfe und trotzdem freuten sich alle und waren mir sehr dankbar. Als ich dann am Abend am Gemeinderaum ankam, welcher besonders schön hergerichtet wurde, kamen mir richtige Menschenmassen entgegen. Wie viel Menschen mögen wohl eingeladen gewesen sein? 100? 200? Es gab sogar sowas ähnliches wie Türsteher die nur die Leute mit Einladungen hineinließen. Es dröhnte natürlich wieder laute Musik aus den Boxen unteranderem auch wieder das Lied ‚zunguka‘, welches sich als echter Hochzeits-Hit und perfekter Ohrwurm herausstellte. Die gesamte Feier wurde wieder von einem Moderator geleitet. Auffällig war hierbei, dass sehr viel von ihm abhängt, denn bei einer Hochzeit schrie er immer nur durch die Gegend‚stuuudio, stuuudio – music play, music stop‘ und erteilte richtige Befehle auch an das Hochzeitspaar, so dass die Stimmung etwas gedrückt war. Ich fühlte mich teilweise selbst sehr angespannt, wenn er sogar Vorgab wie die Braut die Treppe herunter zu gehen hat. Bei einer anderen Feier jedoch führte ein anderer Moderator aus dar es Salaam sehr angenehm durch die Feier, es wurde unheimlich viel gelacht und viel mehr Spontanes zugelassen. Anhand dessen wird glaube ich gut deutlich, dass man jetzt sowieso nicht sagen kann so sieht eine tansanische Hochzeit aus, schon diese beiden Feiern unterschieden sich in ihrer Atmosphäre und Gestaltung sehr. Natürlich wurden Steffen und mir zunächst auch wieder besondere Plätze zugewiesen die wir nur am Anfang besetzten und später irgendwann ganz unauffällig verließen um einfach mit bei den Anderen zu sein, die wir kennen. Nachdem alle wichtigen Familienmitglieder des Hochzeitspaares vorgestellt waren wurden wieder traditionelle Bräuche durchgeführt. So zum Beispiel auch wieder die Vergabe des Kuchens. Bei einer Feier wurde sogar der Kuchen mit einem elektrischen Messer angeschnitten, High-Tequ vom feinsten, da war ich aber am staunen. Ins Staunen kam ich aber noch viel mehr, als ich dann wie aus heiterem Himmel aufgerufen wurde um auch ein Stück Kuchen zu bekommen. Zusammen mit Isaka ging ich nach vorne und musste über Kreuz und fast auf Knien mich füttern lassen. Als Spaß meinten alle, dass er jetzt mein Verlobter sei. Nun, einen Monat später werden da immer noch Witze drüber gemacht und ich muss jedes Mal schmunzeln wenn ich mich daran erinnere. Ein richtiges Highlight war dann für mich auch noch als kunstvoll und im Tanz der Sekt feierlich umher gespritzt wurde bevor es dann zum großen Festbuffet ging. Das Festbuffet eigentlich bei jeder Feier aus Pilau, Kochbananen, Hühnerfleisch, teilweise Chipsy (also sowas wie Pommes), Salat, Obst und nicht zu vergessen die Soda. Die Geschenkübergabe wurde danach dann richtig lang zelebriert. Es wurden immer verschiedenen Gruppen aufgerufen, so zum Beispiel der Chor in dem der Bräutigam mitsingt oder Nachbarn oder Arbeitskollegen. Um das Geschenk nach vorne zu bringen tanzten alle durch den freien Gang. Es wurde unheimlich viele Kangas und Kitenge verschenkt oder anderweitige Gegenstände für das neue Zuhause gebracht. Am Ende gab es dann die Überraschung: das größte Geschenk des Tages. So wurde bei einer Feier eine riesen Matratze verschenkt und bei einer anderen Feier eine Nähmaschine überreicht. Bei einer Feier fiel dann irgendwann der Strom aus. Schön war zusehen, dass dies gar kein Problem darstellte. Jeder holte einfach sein Handy heraus und leuchtete damit, der kleine Posaunenchor sorgte wieder für Stimmung und es wurde einfach noch getanzt. Ich muss wirklich sagen, dass ich das richtig genossen habe mal wieder so viel zu tanzen und so richtig zu feiern. Glücklich, übersatt und sehr müde (12 Uhr ist hier schon sehr spät) gingen wir alle nach Hause und freuten uns schon wieder auf die nächste Feier.

Feier am Abend