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Endspurt!

Autor: JaninaEhses | Datum: 01 Juli 2013, 16:40 | Kommentare deaktiviert

Erst mal an alle ein fettes SORRY, dass ihr so lange nichts von mir gehört habt – aber Ihr wisst ja, wenn Ihr nichts von mir hört, läuft‘s rund. Und so ist es. Ich bin hier gerade einfach am leben, sprich: viel am arbeiten, Freunde treffen, kochen, lachen, weinen, erschöpft sein, singen, tanzen, einkaufen, Wäsche waschen, Besuch empfangen, telefonieren und SMS schreiben, viel am nachdenken und verstehen (oder manchmal auch einfach nicht), Filme gucken, Krankenbesuche abstatten, basteln und improvisieren, joggen gehen, Lebensgeschichten und Geldumstände hören, die Umgebung erkunden und Beerdigungen miterleben.

Was die letzten Wochen noch voller gestaltete, waren die bevorstehenden Hochschulbewerbungen, die mich zunächst ein wenig überforderten. Da bin ich mit Kopf und Herz hier und muss mich von jetzt auf gleich nach Deutschland denken… Wo möchte ich studieren und wohnen? Erfülle ich die Bedingungen? Bin ich gut genug? Gibt es Wohnmöglichkeiten? Und sofort stand ich unter DRUCK. Dieses Gefühl verspürte ich in dieser Form schon lang nicht mehr und ich muss sagen, es hat mir wirklich nicht gefehlt! Obwohl das oft fehlende Internet es mir nicht gerade leichter machte, kann ich letztlich ganz tansanisch von mir behaupten: ‚nimeshinda‘. Das heißt so viel wie, ich hab’s geschafft bzw. wörtlich übersetzt ich habe gesiegt.  

Außerdem bekam ich dann vor zwei Wochen Besuch von meiner Schwester und meiner besten Freundin. Ich konnte es kaum glauben, sie auf einmal hier in Lutindi rumlaufen zu sehen, Ihnen Arbeit, Freunde, Umgebung und Umstände zeigen zu können, mit Ihnen bis in die tiefste Nacht zu quatschen, den selben Humor zu teilen und schließlich festzustellen, dass genau das meine Heimat ist, dass ich genau DAS bin und das es doch auch was hat wieder in das so tief Vertraute zurückzukehren – Deutschland, Wuppertal, Zuhause. Besonders gut tat einfach das Verständnis, welches beide nun ganz anders für mich, mein Leben hier, meine Erfahrungen und Erzählungen aufbringen können. Ich kann mir zum Beispiel bei den beiden sicher sein, dass sie nicht mehr über mein Jahr in AFRIKA sprechen werden, sondern vielmehr über mein Leben in Tansania, in den Usambarabergen, in Lutindi.

Nun sind es nur noch 7 Wochen und es gilt jetzt nochmal richtig auf’s Gas zu drücken. Die letzte Woche musste ich wieder 7 Tage arbeiten und immer lange, so dass ich da natürlich zu nichts kam. Und jeden Tag fragen mich mehr und mehr Leute, wann ich denn nochmal vorbei komme oder wann wir noch an den und den Ort wandern, wann ich mir denn nochmal das Fußballspiel angucke usw..

Erst machte mich das ein wenig verrückt, weil ich merkte ich schaffe sowieso nicht mehr alles, jedoch gebe ich einfach mein Bestes und was klappt klappt und was nicht dann eben nicht. Ich sage immer, dieses Jahr ist ja nicht das Ende sondern erst der Anfang. Insofern genieße ich gerade in vollen Zügen meine Endzeit und versuche die gemischten Gefühle ein wenig beiseite zu schieben.

Wir sehen uns dann also nach meinem Sprint!

Alles Liebe, eure Janina

 

Wir haben doch keine Zeit!

Autor: JaninaEhses | Datum: 22 April 2013, 21:05 | Kommentare deaktiviert

Obwohl dieser Satz eigentlich von Stefan Raab stammt, möchte ich ihn nun auch verwenden, denn er trifft momentan völlig auf mein Leben zu. Ich könnte auch wie ein Langzeitpatient (die Type in Lutindi) sagen: time inaenda, fanya bidii – sprich: die Zeit läuft, beeil dich bzw. sei eifrig. Und so ist es. Nun sind es noch vier Monate und ich möchte noch sooooo viel unternehmen, ganz viele Leute besuchen, Orte rund um Lutindi sehen usw… Es ist echt spannend nun so richtig hinter die Kulissen zu schauen, die verschiedenen Persönlichkeiten zu erleben, die Beziehungen  hier untereinander richtig nachvollziehen zu können, in zwischenmenschlicher Interaktion zu stehen, Ratschläge weiterzugeben und ebenso zu erhalten, Lebenserfahrungen zu teilen und zu diskutieren und es zu genießen ein Teil von Lutindi zu sein.

Ohne es zu wollen hat sich einfach so manche Gewohnheit eingeschlichen, welche ich nicht mehr missen möchte. Und obwohl es manchmal nur Kleinigkeiten sind machen sie mich glücklich. Was ich meine? Bitte, hier die Kurzfassung:

- Der erste Ort, wo ich jeden Morgen eintreffe ist: das Café. Dort arbeitet Dada Viki, die mittlerweile eine echte Freundin ist und sogar manchmal ein wenig mein Mutterersatz ist. Sie fordert viel, gibt mir öfter den kleinen Tritt den ich nötig habe, lehrt mich im Haushalt und sonstigen Lebensfragen und ist immer für einen Spaß zu haben. Somit beginnt fast jeder Morgen fröhlich und gepusht.

- Bei wem ich auf jeden Fall auch immer vorbeischauen muss ist dann Tumaini. Er ist erst seit kurzer Zeit im Hospital tätig, jedoch kannte ich ihn schon vorher. Ein kurzer Austausch wie der letzte Tag war, wie man sich fühlt und was man denn heute so vor hat ist immer drin. Cool ist, dass er den Schmuck und gebräuchliche Dinge aus Naturgegenständen herstellt, sprich er ist ebenso kreativ wie ich. Somit ist eine gegenseitige Inspiration nur vorprogrammiert.

- In der Mittagspause treffe ich dann wieder im Café ein und koche mir was kleines, manchmal auch noch mit anderen Mitarbeitern. Seit dem Zwischenseminar esse ich eigentlich kaum noch mit Blauths zusammen, stattdessen chillen Tumaini, Suleman (der Gärtner), welcher oft frischen Spinat aus dem Garten mitbringt und manchmal noch Patienten in der Sisalwerkstatt, hören Radio, unterhalten uns, lachen viel und ruhen uns aus. Oder ich gehe zum Tierbereich, wo ganz viele Mitarbeiter zusammensitzen und sich freuen mir immer mehr Fragen über Deutschland, die Systeme und Verhaltensweisen zu stellen.

-Nachmittags kommt dann immer der Langzeitpatient zu mir gerannt, welcher mir den Namen ‚Samina‘ verpasste  und bringt mir ‚Mapera‘ also Guave. Diese Frucht ist immer wieder ein Genuss.

- Jeden Dienstag und Samstagnachmittag gibt es ‚Ukoko‘. Pünktlich um vier stehe ich in der Hospitalsküche auf der Matte und freue mich schon darauf. Ukoko ist nichts anderes als der ein wenig angebrannte Reis. Hmm schön knusbrig und mit ein wenig Soße super lecker. Eigentlich schlagen sich da immer nur die Patienten drum, nun bin ich mit dabei!

- Jeden Tag suche ich mindestens zwei Mal meinen Schlüssel. Flora fragt mich also immer vormittags und nachmittags ein Mal, wo ich denn dieses Mal meinen Schlüssel hingesteckt habe. Röcke oder Kangas haben ja keine Tasche, somit ersetzt mein BH meine Hosentasche.

- Bevor ich dann nach der Arbeit nach Hause gehe, treffe ich nochmal in der Sisalwerkstatt ein und höre mit Flora Radio. So gegen 17 Uhr gibt es immer die coolsten Lieder. Meistens tanzen wir dann und erzählen uns dabei was an diesem Tag so passiert ist oder planen die nächsten Tage.  Mit einem Bongoflavourohrwurm gehe ich dann meistens nach Hause.

- Bevor ich dann abends in meinen Raum zurückkehre rede ich oft noch mit Mama Godi, die in dem kleinen Lädchen neben meinem Zimmer arbeitet. Sie ist direkt und richtig lieb. Dank ihr werde ich momentan immer schön regelmäßig daran erinnert, dass ich ja immer mehr zunehme. Gut zu wissen, dass sich die Leute freuen wenn man zulegt, also bekomme ich oft Komplimente von ihr.

Ich könnte noch viel mehr aufzählen, aber den Rest und so viel mehr gibt es dann face to face in Deutschland.

Wie ihr seht geht es mir weiterhin gut, besonders deshalb weil ich mittlerweile meine Freunde-Familie gefunden habe und außerdem gerade ganz viel rumkomme.

Eine gute Zeit in Deutschland, eure Janina 

 

Mir geht’s guuut!

Autor: JaninaEhses | Datum: 28 Januar 2013, 20:46 | Kommentare deaktiviert

So damit ihr mal wieder up to date seid, bei mir ist momentan alles bestens!

Der Januar verging mal wieder wie im Flug. Schon allein aus dem Grund, weil ich das erste Mal komplett in den Hospitals-Arbeitsplan eingetragen wurde und somit eine Woche lang von 7 Uhr morgens bis 18 Uhr abends nur auf den Beinen war. Zeit für Chor und Kindergottesdienstvorbereitungen blieb da nur wenig. Eine ganze Woche heißt natürlich auch samstags und sonntags zu arbeiten. Diese Woche hat mir definitiv gezeigt wie hart das Arbeitsleben sein kann, in dieser Zeit war mein Bett mein bester Freund, so viel kann ich sagen! Natürlich hat man besonders am Wochenende viel Kontakt zu den Patienten. Ich glaube die skurrilen bzw. lustigen Begegnungen hören dort nie auf. So wurde ich direkt am Samstagmorgen so begrüßt: ‚heeello sister, I‘m medho and i’m not married and what’s your name?‘ Außerdem habe ich an diesem Wochenende glaube ich schon meinen zehnten Namen verpasst bekommen. Durch den Rundbrief müsste ja eigentlich schon der Name ‚Samina‘ bekannt sein. Aber dabei blieb es leider nicht: Jemima, Jelina, Penina, Jabima, Yehima sind nur noch Reste aus meinem Gedächtnis. Ich bin ja mal gespannt was ich in dem gesamten Jahr so alles sammel! ;)

Mein persönliches Highlight war aber in diesem Monat ganz klar mein Geburtstag. Erst einmal einen großen Dank für die vielen lieben Glückwünsche, ich habe mich wirklich sehr gefreut, dass so viele Leute an mich gedacht haben. Dieser Geburtstag war echt ein Besonderer, nicht nur wegen der zweiten 0 sondern viel mehr, weil ich so viele liebe Menschen um mich herum hatte, die mir meinen Tag rund um schön gestalteten. Zudem hatte ich so gutes Wetter wie noch nie. 30 Grad und abends Grillen – kein Vergleich zu den sonstigen Temperaturen um diese Zeit.

Ich hatte natürlich auch Glück, dass gestern ein Sonntag war, somit konnte ich mit Blauths ausgiebig frühstücken und die Morgensonne auf der Terrasse genießen. Netterweise hatten sie für mich sogar Chapati (Pfannkuchen ähnlich) gebacken, denn die mag ich hier besonders gerne. Danach ging ich wie jeden Sonntag in die Kirche und genoss die neuen Lieder des Chores zu hören. Ich war überrascht wie Viele mir nach der Kirche gratulierten. Hier wird normalerweise kein Geburtstag gefeiert, Manche wissen sogar gar nicht wann sie Geburtstag haben, insofern war es sehr besonders und ich freute mich sehr. Am Nachmittag gab es dann ein kleines Kaffeetrinken. Barbara hatte mir extra einen Kuchen gebacken – einen afrikanischen Zebrakuchen.

Barbaras Zebrakuchen

Danach fingen wir langsam mit den Vorbereitungen für das Barbecue an. Dafür stapfte ich mit Steffen runter in den Hospitalsgarten und erntete Auberginen und Mais zum Grillen. Es wurde Stockbrotteig angefertigt und frische Ananas und Mangos aufgeschnitten. Flora half Barbara und mir eifrig und mit bester Laune, was mich richtig froh stimmte. Da gleichzeitig auch die neue Bambushütte, welche Steffen mit viel Engagement und Freude fertig gestellt hatte, eingeweiht werden sollte, schmückten wir diese noch mit Blumen und bereiteten schon mal die Feuerstellen vor.

So nach und nach kamen dann alle, die ich eingeladen hatte. Manche sogar früher um noch irgendwie mithelfen zu können. Wir speisten zusammen, ich glaube ganz besonders lecker fanden alle das Stockbrot, welches später in Hot Dogs umgewandelt wurde.

Stockbrot - mal was Anderes

Zudem sangen wir viel z.B. meine Lieblingslieder aus dem Chor und alle wiederholten voller Begeisterung das Lied Happy Birthday. Ob schnell oder langsam oder in Kiswahili oder Englisch, immer wieder wurde es freudig angestimmt. Süß war das! Dazu wurde Gitarre gespielt und auch getrommelt. Obwohl ich allen auf die Frage‚was wünschst Du dir? Was möchtest du für ein Geschenk?‘ antwortete, dass es schon genug Geschenk wäre, dass so viele kommen, bekam ich viel geschenkt. Ich freute mich über herrlich duftende Blumen, über neue Kangas, handbemaltes Geschirr, zwei riesen Wassermelonen und drei Ananas, eine Schale mit Randschnitzerei als Verzierung, eine selbstgeflochtene Zuckerdose und ein kleiner Behälter aus Kokusnuss. Ich konnte meine rührende Freude gar nicht in Worte fassen und hoffe, dass alle mein Strahlen sahen, denn das sind Erinnerungen fürs Leben. Natürlich wurde auch viel rumgewitzelt. So wurde ich die ganze Zeit mit ‚Shikamoo‘ begrüßt, das ist der Respektausruf für alte Leute. Und auch öfter ‚Mama‘ genannt (übersetzt Frau und Mama) und nicht wie sonst immer ‚Dada‘ (Schwester). Zum Schluss spielten wir noch Armdrücken, es war super lustig und spannend, denn hier haben die Frauen auch eine Chance mit ihren Armmuskeln. Ich war allerdings der absolute Looser. Im Gebet wurden letztlich nochmal super liebe Worte für mich und meine zukünftige Zeit hier gefunden. Ich habe diesen Tag so unheimlich genossen und werde diese Feier nie vergessen!

mein Geburtstag - Prost und auf die 20

 

 

Zunguka, zunguka – und die Party steigt

Autor: JaninaEhses | Datum: 28 Januar 2013, 19:12 | Kommentare deaktiviert

 

Etwas sehr verspätet aber dennoch sehr erzählenswert: Um die Weihnachtszeit war ganz Lutindi in fröhlicher Feierlaune. Man war fast schon im Feierstress, denn teilweise überschnitten sich die Feste und auch Gottesdienste, besonders die der Hochzeiten. Und da man eigentlich immer überall eingeladen ist, weil hier jeder jeden kennt und ich als Weiße sowieso ein gerngesehener Gast bin kamen wir alle gar nicht mehr aus dem feiern heraus. Ich hätte fast in meiner Festkleidung, den Vitenge, schlafen können. Da die Hochzeiten so für mich am spannendsten waren möchte ich nun davon ein wenig berichten:

Eine Hochzeit beginnt hier normalerweise mit der Send-off Feier. Wenn ich das richtig verstanden habe wird damit der Abschied der zukünftigen Braut aus ihrem Elternhaus zelebriert, denn bis zur Einwilligung der Heirat wohnt sie traditionell bei ihren Eltern und wird dann dem zukünftigen Ehemann freigegeben. Was mir auffiel war, dass die gesamte Feier in größter Ordnung ablief. Es gab einen Moderator der den gesamten Ablauf bestimmte. Er führte alle Bräuche durch, war für Witze und Besonderheiten zuständig und dirigierte die ganze Hochzeitsfamilie. Nach einiger Zeit war es echt anstrengend seinem Gebrülle durch die nur halbfunktionierende Soundanlage zu folgen. Dazu kam noch eine kleine Gruppe die feierlich und laut mit Blasinstrumenten gute Stimmung einheizte. Und natürlich waren auch viele Chöre anwesend die die Feier gesanglich mitgestalteten. Was mich sehr erstaunte war, dass alles in einer einheitlichen Farbe geschmückt war und sich dementsprechend viele Gäste und Familienangehörigen ihre Kleidung schneidern ließen. So durfte ich eine pinke, blaue und violette Send-off-Party miterleben. Dekoration, Menschen, Torte – alles in einer Farbe. Leider verstand ich nicht so viel aber es war deutlich zu sehen, dass der Tochter viele Ratschläge erteilt wurden und speziell den Eltern nochmal ein großer Dank ausgesprochen wurde. Sehr traditionsbewusst und in strengen Abläufen lief dies ab, so musste zum Beispiel die zukünftige Braut auf Knien und mit gekreuzten Armen ihre Eltern mit Kuchen füttern. Zudem wurde natürlich viel getanzt, viel gejubelt und viel gelacht. Besonders die Geschenke Überreichung wurde mit viel Spaß und Tanz gestaltet. Hier wurde ganz besonders das Lied ‚zunguka‘ rauf und runter gespielt, es heißt so viel wie sich drehen und ist Bongo Flavour. Aber auch Westlife schallte aus den Boxen. Alle freuten sich so sehr, außer der zukünftigen Braut. Kein Gesichtsmuskel zuckte auch nur ansatzweise. Ich wunderte mich, denn alle Anderen war so fröhlich und ich dachte beim ersten Mal die Frau würde gezwungen werden zu heiraten, bis ich aber später erklärt bekam, dass es traditionell so ist, dass man sich nicht unbedingt freuen soll wenn man von seinen Eltern weggeht. Somit blickte ich nur in eine ernste fast schon traurige Miene, welche einfach nur den Bräuchen folgt. Die Krönung jedes Festes ist natürlich das gute Essen. Eigentlich gibt es zu jeder großen Festlichkeit das Nationalgericht ‚Pilau‘. Pilau besteht aus Reis mit Fleisch und Kartoffeln und ganz speziellen Gewürzen die dieses Gericht zu etwas ganz besonderem machen und mich außerdem am weiteren beschreiben hindern. Ihr müsst es einfach irgendwann mal probieren! Und natürlich darf auch bei solch einem Fest nicht die ‚Soda‘ fehlen, sprich Cola, Fanta, Sprite. Nach der Send-Off-Party geht es dann meistens zu dem Ort des zukünftigen Bräutigams, in seiner Heimat findet dann die kirchliche Trauung und das Fest danach statt. Wenn der große Familienbus angekommen ist wird meist noch bis spät in die Nacht gefeiert. Man könnte fast meinen an diesen Tagen explodieren die Musikanlagen und mit schlafen wird’s auch nicht richtig was.

Send-off

Braut, welche von Zuhause verabschiedet wird

Zur kirchlichen Trauung ist zu sagen, dass ich diese sehr ähnlich zu denen in meinem Umfeld in Deutschland erlebt habe. Die Kirche war wunderschön mit Blumen geschmückt, die Braut trug ein besonders aufwendig geschneidertes Kleid, es wurde sich das ja-Wort gegeben und Treue geschworen und sich gegenseitig der Ring angesteckt.

Am eindrucksvollsten war jedoch die Feier am Abend. Für eine Feier half ich auch vorher mit kochen und ich muss sagen, obwohl ich jetzt schon recht viel mit den Tansaniern gekocht habe stoße ich immer wieder an meine Grenzen: Wie schneidet man eine Tomate ohne Unterlage, einfach nur in der Hand in kleine Stückchen? Wie bekomme ich 1 kg Ugali umgerührt? Wie schält man die harten Kochbananen? Zwischendurch rannte ich immer wieder aus der Küche, weil der Rauch einfach so enorm in den Augen brannte. Ich war natürlich nicht so eine große Hilfe und trotzdem freuten sich alle und waren mir sehr dankbar. Als ich dann am Abend am Gemeinderaum ankam, welcher besonders schön hergerichtet wurde, kamen mir richtige Menschenmassen entgegen. Wie viel Menschen mögen wohl eingeladen gewesen sein? 100? 200? Es gab sogar sowas ähnliches wie Türsteher die nur die Leute mit Einladungen hineinließen. Es dröhnte natürlich wieder laute Musik aus den Boxen unteranderem auch wieder das Lied ‚zunguka‘, welches sich als echter Hochzeits-Hit und perfekter Ohrwurm herausstellte. Die gesamte Feier wurde wieder von einem Moderator geleitet. Auffällig war hierbei, dass sehr viel von ihm abhängt, denn bei einer Hochzeit schrie er immer nur durch die Gegend‚stuuudio, stuuudio – music play, music stop‘ und erteilte richtige Befehle auch an das Hochzeitspaar, so dass die Stimmung etwas gedrückt war. Ich fühlte mich teilweise selbst sehr angespannt, wenn er sogar Vorgab wie die Braut die Treppe herunter zu gehen hat. Bei einer anderen Feier jedoch führte ein anderer Moderator aus dar es Salaam sehr angenehm durch die Feier, es wurde unheimlich viel gelacht und viel mehr Spontanes zugelassen. Anhand dessen wird glaube ich gut deutlich, dass man jetzt sowieso nicht sagen kann so sieht eine tansanische Hochzeit aus, schon diese beiden Feiern unterschieden sich in ihrer Atmosphäre und Gestaltung sehr. Natürlich wurden Steffen und mir zunächst auch wieder besondere Plätze zugewiesen die wir nur am Anfang besetzten und später irgendwann ganz unauffällig verließen um einfach mit bei den Anderen zu sein, die wir kennen. Nachdem alle wichtigen Familienmitglieder des Hochzeitspaares vorgestellt waren wurden wieder traditionelle Bräuche durchgeführt. So zum Beispiel auch wieder die Vergabe des Kuchens. Bei einer Feier wurde sogar der Kuchen mit einem elektrischen Messer angeschnitten, High-Tequ vom feinsten, da war ich aber am staunen. Ins Staunen kam ich aber noch viel mehr, als ich dann wie aus heiterem Himmel aufgerufen wurde um auch ein Stück Kuchen zu bekommen. Zusammen mit Isaka ging ich nach vorne und musste über Kreuz und fast auf Knien mich füttern lassen. Als Spaß meinten alle, dass er jetzt mein Verlobter sei. Nun, einen Monat später werden da immer noch Witze drüber gemacht und ich muss jedes Mal schmunzeln wenn ich mich daran erinnere. Ein richtiges Highlight war dann für mich auch noch als kunstvoll und im Tanz der Sekt feierlich umher gespritzt wurde bevor es dann zum großen Festbuffet ging. Das Festbuffet eigentlich bei jeder Feier aus Pilau, Kochbananen, Hühnerfleisch, teilweise Chipsy (also sowas wie Pommes), Salat, Obst und nicht zu vergessen die Soda. Die Geschenkübergabe wurde danach dann richtig lang zelebriert. Es wurden immer verschiedenen Gruppen aufgerufen, so zum Beispiel der Chor in dem der Bräutigam mitsingt oder Nachbarn oder Arbeitskollegen. Um das Geschenk nach vorne zu bringen tanzten alle durch den freien Gang. Es wurde unheimlich viele Kangas und Kitenge verschenkt oder anderweitige Gegenstände für das neue Zuhause gebracht. Am Ende gab es dann die Überraschung: das größte Geschenk des Tages. So wurde bei einer Feier eine riesen Matratze verschenkt und bei einer anderen Feier eine Nähmaschine überreicht. Bei einer Feier fiel dann irgendwann der Strom aus. Schön war zusehen, dass dies gar kein Problem darstellte. Jeder holte einfach sein Handy heraus und leuchtete damit, der kleine Posaunenchor sorgte wieder für Stimmung und es wurde einfach noch getanzt. Ich muss wirklich sagen, dass ich das richtig genossen habe mal wieder so viel zu tanzen und so richtig zu feiern. Glücklich, übersatt und sehr müde (12 Uhr ist hier schon sehr spät) gingen wir alle nach Hause und freuten uns schon wieder auf die nächste Feier.

Feier am Abend

 

 

Lang, lang ist's her...

Autor: JaninaEhses | Datum: 19 Dezember 2012, 19:42 | Kommentare deaktiviert

…dass ihr was von mir gehört habt! Ich kann euch aber sagen, dass es mir bestens geht und ich die Zeit hier sehr genieße! Obwohl die Uhren hier ganz anders ticken, vergehen für mich die Tage wie im Flug. Zum einen wahrscheinlich dadurch dass ich mich an den hier vorherrschenden gemächlichen Zeitrhythmus gewöhnt habe und mich z.B. nicht mehr wunder wenn ich frage ‚wann treffen wir uns‘ und dann nur als Antwort zurückbekomme ‚heute‘ und zum anderen weil ich einfach immer mehr zu tun habe.

Seit ungefähr einem Monat arbeite ich nach einem Wochenplan, so dass ich fast in jeden Bereich, den unser Hospital zu bieten hat, hineinschaue. Es hat sich gelohnt, denn nun kann ich Kühe melken, eine alte Nähmaschine bedienen, Spinat pflanzen, ein Türschloss austauschen, Mandazi backen und ein Aufnahmeformular eines neuen Patienten ausfüllen. Ich kann gar nicht sagen, welche Arbeit mir am meisten Spaß macht, denn jeder Bereich ist in sich sehr abwechslungsreich und hat seine eigenen Besonderheiten. So begegnete ich beispielsweise im Garten das erste Mal einer Schlange oder half den einen oder anderen Patienten nach einem Ausbruchversuch wieder einzufangen.

Ansonsten kann ich noch kurz berichten, dass wir nun 3 süße Katzenbabies und 7 Hundebabies bekommen haben, ich mittlerweile schon so einige Todesschicksale miterlebt habe, aber auch an Festen wie einer ‚Send-off-Feier‘ teilnehmen durfte, ich mittlerweile natürlich schon ein wenig mehr in den vielen umliegenden Dörfern herumgekommen bin und feststellen musste, dass jedes Dorf irgendwie was Eigenes hat, ich außerdem wenn ich mal in einem Dorf bin immer von Haus zu Haus springe und von den gastfreundlichen Tansaniern gewünscht wird sich praktisch selbsteinzuladen, ich immer besser damit umgehen kann überall als ‚Mzungu‘ aufzufallen und beim Einkaufen immer hinterher gerufen zu bekommen ‚hey Madame‘ oder ‚Sister, Sister‘ und ich letztlich bei der ein oder anderen kleinen Reise immer mehr Einblicke in Tansanias wunderschöne vielfältige Natur haben durfte und mich immer mehr in dieses Land verliebe.

Im Moment steckt ganz Lutindi in Weihnachts- und Hochzeitsvorbereitungen. Heute war die Weihnachtsfeier für die Patienten und morgen ist die nächste Send-off-Party. Zudem füllen sich so langsam die Dörfer mit ihren Familienangehörigen aus den Städten. Mein Weihnachtsgefühl ist bei den immer steigenden Temperaturen und den Blumen- und Palmenschmuck natürlich ein anderes als in Deutschland, ich bin jetzt schon freudig gespannt auf die nächsten Festtage. Eins ist sicher – es wird besonders!

Eine gesegnete Weihnachtszeit und alles Liebe wünscht euch

Janina   

 

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